Die Familienversicherung für Freiberufler und Selbstständige

Für viele Selbstständige und Freiberufler ist eine Familienversicherung sehr attraktiv, da sie sehr günstig ist. Während der Anlaufphase einer selbstständigen Tätigkeit gehören laufende Krankenkassen Beiträge zu einer der größten Belastungen. Sie reißen häufig ein großes Loch in die Kasse des Gründers.

Unter bestimmten Umständen ist es möglich, dass über den Ehe- oder Lebenspartner eine beitragsfreie Mitversicherung in Form einer Familienversicherung genutzt werden kann. Die Familienversicherung wird über den § 10 des Sozialgesetzbuches V geregelt. Solange ein Ehe- oder Lebenspartner oder die Kinder über kein eigenes Einkommen verfügen oder weniger als 385 Euro im Monat verdienen, können sie über den Hauptverdiener ein Mitglied der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bleiben.

Geringverdiener während einer Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit

Viele Menschen wissen nicht, dass die Familienversicherung laut § 8 SGB IV auch eine gute Voraussetzung für Geringverdiener während einer Selbstständigkeit. Voraussetzungen hierfür sind:

  • Arbeitszeiten, die weniger als 18 Wochenstunden betragen
  • Ein geringer Verdienst von höchstens 425 Euro (Stand 2017)
  • Keine bestehende Pflichtversicherung in der GKV (beispielsweise für Künstler oder Publizisten)

In diesem speziellen Fall betrifft es besonders Mitglieder, die ein Monatseinkommen von mindestens 325 Euro haben und eine Mitgliedschaft bei der Künstlersozialkasse besteht. Eine Wahlfreiheit gibt es hierbei nicht. Eine beitragsfreie Familienversicherung wäre in diesem Fall zweitrangig.

 

Wissenswertes über eine Teilzeit Selbstständigkeit

Solange eine Selbstständigkeit nur nebenberuflich ausgeübt wird und dabei nur geringfügige Einkünfte eingenommen werden und noch keine Pflichtversicherung besteht, ist eine Familienversicherung für Selbstständige ratsam. In der Regel kann sich der Selbstständige ohne zusätzliche Kosten direkt über die Krankenkasse des Ehe- oder Lebenspartners mit versichern. Hierfür muss ein Antrag auf Familienversicherung angefordert werden. Das jeweilige Formular muss ausgefüllt, unterschrieben und an die Krankenkasse des Partners gesandt werden.

 

Wer wird in eine Familienversicherung mit aufgenommen?

Für eine Familienversicherung muss ein bestimmtes Verhältnis zum Versichernden bestehen wie zum Beispiel

  • Ehe- oder Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz
  • Eigene Kinder
  • Stiefkinder und Enkelkinder (wenn der Lebensunterhalt durch das Mitglied erfolgt)
  • Pflegekinder (wenn diese nicht nur beruflich gepflegt werden)

Damit eine Familienversicherung möglich ist, darf die zu versichernde Person nicht selber Mitglied bei einer Pflege- oder Krankenkasse sein. Auch ein ständiger Aufenthalt in Deutschland ist für eine Familienversicherung bindend. Für Selbstständige gilt: Die Agentur für Arbeit darf keinen Gründungszuschuss leisten. Damit das Einkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit berechnet werden kann, muss zuerst der Umsatz ermittelt werden. Wichtig ist der Zeitraum der letzten zwölf Monate, so dass sich ein Durchschnittswert ermitteln lässt. Wenn gerade erst mit der selbstständigen Tätigkeit begonnen wurde, dann muss eine Schätzung des Einkommens erfolgen. Vom ermittelten Umsatz werden die Werbungskosten abgezogen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit einer selbstständigen Tätigkeit stehen. Eine Selbstständigkeit darf bei einer Familienversicherung nicht über das Ausmaß eines Hobbys hinausgehen. Wenn eine der genannten Gegebenheiten nicht mehr erfüllt sind, dann endet direkt die Familienversicherung. Sie ist ebenfalls sofort beendet, wenn das Mitglied die Mitgliedschaft beendet.

 

Der letzte Einkommensbescheid ist wichtig

Bei einer Familienversicherung wird das Arbeitseinkommen in der Regel anhand des letzten Einkommensteuerbescheides berechnet. Aus Vereinfachungsgründen wird der Einkommensteuerbescheid vom Anfang des folgenden Monats berücksichtigt, an dem er ausgestellt wurde. In einigen Fällen kann auch die betriebswirtschaftliche Auswertung von einer fachkundigen Stelle eingereicht werden. Wenn vom Versicherten geäußert wird, dass sich das monatliche Einkommen des nicht gesetzlich krankenversicherten Partners oder sich das eigene Einkommen im deutlich verändert, dann sind entsprechende Nachweise vorzulegen. Als Nachweis gilt:

  • Eine Bescheinigung des Finanzamtes
  • Einkommensunterlagen
  • Evt. Vorauszahlungsbescheid

Die erbrachten Nachweise können immer dann berücksichtigt werden, wenn sich das Arbeitseinkommen um mehr als 25% ändert. Das bedeutet, dass das Arbeitseinkommen um mehr als ein Viertel gegen über dem letzten Einkommensteuerbescheid abweicht. Hierbei spielt es keine Rolle, aus welchen Gründen es zur Änderung des Einkommens gekommen ist. Der bisherige Anspruch auf eine Familienversicherung erlischt in diesem Fall.