Kreditkarten für Selbstständige und Freiberufler im Vergleich

 

In Bezug auf Kreditkarten geben sich Banken zunehmend kritisch. In der Regel erhalten nur Personen eine Kreditkarte, die über eine entsprechende Bonität verfügen. Arbeitnehmer haben es daher verhältnismäßig leicht, sofern sie nachweislich über ein regelmäßiges und zudem ausreichend hohes Einkommen verfügen. Bei Freiberuflern sieht das jedoch anders aus. Sie haben es sehr schwer, die von den Geldinstituten verlangten Kriterien für die Erteilung einer Kreditkarte zu erfüllen.

 

Was sind Freiberufler?

Freiberufler, die im modernen Sprachjargon auch als Freelancer bezeichnet werden, sind Menschen. die beruflich einer wissenschaftlichen, künstlerischen, erzieherischen oder schriftstellerischen Tätigkeiten nachgehen. Dazu gehören unter anderem:

  • Humanmediziner, Zahnärzte, Veterinäre als auch Heilpraktiker, Hebammen und Diplom-Psychologen
  • Ingenieure, Architekten, Sachverständige
  • Rechtsanwälte, Steuerfachkräfte,Wirtschaftsprüfer sowie Volks-und Betriebswirte
  • Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Journalisten und Lehrer

 

Dürfen Freiberufler ein Gewerbe betreiben?

Fällt die freiberufliche Tätigkeit unter die Gewerbeordnung fällt, handelt es sich nicht mehr um einen Freiberufler, sondern um einen Gewerbetreibenden.

 

Warum wird zwischen Freiberufler und Gewerbetreibende unterschieden?

Freiberufler haben gegen über den gewerbetreibenden Selbständigen einige Vorteile. Zu den Vorteilen der Freiberufler zählen unter anderem:

 

  • Es ist keine Gewerbeanmeldung notwendig
  • Der Freiberufler muss keine Gewerbesteuer entrichten
  • Ein Eintrag ins Handelsregister ist nicht erforderlich

 

Die Abgrenzung zum klassischen Gewerbe ist nicht immer leicht. Ob eine berufliche Tätigkeit als freiberuflich einzustufen ist, wird vom Finanzamt bestimmt. Wer sich also nicht sicher ist, ob die ausgeübte Tätigkeit die Kriterien eines Freiberuflers erfüllt oder nicht, sollte beim zuständigen Finanzamt eine verbindliche Auskunft beantragen.

 

Kann ein Freiberufler eine Kreditkarte mit Dispositionsrahmen erhalten?

Selbst wenn der Freiberufler mit seiner Tätigkeit erfolgreich ist und somit über ein gutes Einkommen verfügt, wird das für eine herkömmliche Kreditkarte nicht ausreichen. Sicherlich ist den Banken daran gelegen, dass der Antragsteller einer Kreditkarte über ein genügend großes Einkommen verfügt. Dennoch verlangen fast alle Bankhäuser zusätzlich, dass die Einkünfte kontinuierlich und in möglichst gleichbleibender Höhe ohne Unterbrechung auf dem Konto eingehen. Dieses Kriterium für eine Kreditkarte kann ein Freiberufler in den seltensten Fällen erfüllen. Daher wird ein Freiberufler von einer herkömmlichen Bank wohl keine Kreditkarte erhalten.

 

Wie verhält es sich, wenn der Freiberufler nachweislich viel Geld verdient?

Unter Umständen kann der Freiberufler durch eine Gewinn und Verlust Rechnung die Lukrativität seiner Tätigkeit gegenüber der Bank nachweisen. Dennoch wird das an der negativen Entscheidung der Bank nichts ändern, denn es ist nicht gewährleistet, dass die Einkünfte auch weiterhin regelmäßig fließen. Ein festangestellter Arbeitnehmer hingegen erhält regelmäßig seinen Lohn . Daher hat ein Arbeitgeber mit Festanstellung wesentlich bessere Aussichten auf die Erteilung einer Kreditkarte als der Freiberufler. Dass der Freiberufler eventuell mehr Geld verdient spielt dabei für die Bank keine Rolle.

TIPP: Wenn für einen Kredit eine Gewinn und Verlustrechnung benötigt wird, sollte das möglichst von einem Finanzexperten wie zum Beispiel einem Steuerberater oder einem Wirtschaftsprüfer durchgeführt werden. Schon der kleinste Fehler kann sich negativ auf die Kreditzusage auswirken.

 

Braucht ein Freiberufler überhaupt eine Kreditkarte?

Kreditkarten haben sich auf dem globalen Finanz- und Wirtschaftsmarkt schon lange etabliert. Viele Geschäfte, insbesondere im Onlinehandel, können nur noch mit einer Kreditkarte abgewickelt werden. Mittlerweile ist eine Kreditkarte als Zahlungsmittel nicht mehr wegzudenken. Insbesondere im Ausland wird häufig ausschließlich eine Kreditkarte als Zahlungsmittel akzeptiert. Daher benötigen Selbstständige , Kleingewerbetreibende und Freiberufler eine Kreditkarte, um überhaupt wirtschaftlich arbeiten zu können.

 

Warum lehnen Banken Kreditkarten für Freiberufler generell ab?

Mit jeder Kreditkarte ist automatisch auch ein sogenannter Kartenkredit verbunden. Das bedeutet, dem Karteninhaber wird in dem Moment, wo er die Karte zur Zahlung einsetzt ein Kredit in bestimmter Höhe gewährt. Diesen muss der Kreditkartenbesitzer meist am Monatsende zurückzahlen. Bei einem Festangestellten mit positiver Schufa-Auskunft ist die Rückzahlung des Darlehens in der Regel gewährleistet. Damit ist das sogenannte Kreditausfallrisiko bei Arbeitnehmern mit festem Einkommen zumindest überschaubar. Bei Freiberuflern hingegen fehlt diese finanzielle Sicherheit. Sie verfügen in der Regel eher über schwankende Einnahmen und sind bei ihrer Tätigkeit extrem von der Entwicklung des Wirtschaftsmarktes abhängig.

 

Gibt es eine Alternative?

Fast alle Banken haben das Problem erkannt und bieten eine sogenannte Prepaid-Kreditkarte an, die im Prinzip wie eine herkömmliche Kreditkarte funktioniert.

 

Was ist eine Prepaid-Kreditkarte?

Prepaid-Kreditkarten sind für diejenigen bestimmt, die unter normalen Umständen keine herkömmliche Kreditkarte erhalten. Sei es weil sie über kein geregeltes Einkommen verfügen, die Bonität nicht gewährleistet ist oder das Kreditausfallrisiko zu hoch ist. Die Prepaid-Kreditkarte erfüllt alle Funktionen, wie eine herkömmliche Kreditkarte. Folgende Transaktionen sind mit einer Prepaid-Kreditkarte unter anderem möglich:

  • im Internet einkaufen
  • an Online-Spielen teilnehmen
  • ein Flugticket bezahlen
  • im Ausland shoppen
  • Abhebungen von einem Geldautomaten

HINWEIS: Manchmal werden bestimmte Prepaid-Kreditkarten bei Hotel-und Autovermietungen nicht akzeptiert. Sie werden zwar generell als Zahlungsmittel anerkannt, sind aber für eine Sicherheitshinterlegung nicht geeignet. Daher sollte sich jeder, der ein Zimmer beziehungsweise ein Mietauto buchen will bei dem betreffenden Unternehmen nachfragen, ob eine Zahlung via Prepaid-Kreditkarte möglich ist.

 

Sind Prepaid-Kreditkarten optisch von den normalen Kreditkarten zu unterscheiden?

Optisch gibt es bei den Kreditkarten keine erkennbaren Unterschiede. In der Regel erkennt der Zahlungsempfänger nicht, ob es sich um eine Prepaid-Kreditkarte oder eine herkömmliche Karte handelt. Für den Zahlungsempfänger ist das auch völlig ohne Bedeutung, sofern er die Bezahlung erhält. Anders sieht es zum Beispiel im Hotelgewerbe aus. Da es in den meisten Hotels möglich ist bestimmte Dienstleistungen erst am Ende des Aufenthaltes zu bezahlen, dienen Kreditkarten auch als Sicherheit für die Zahlung der Rechnung. Bei einer Prepaid-Kreditkarte ist nicht sicher, ob das Guthaben hoch genug ist, um die Hotelrechnung zu decken. Bei einer normalen Kreditkarte wird direkt beim einchecken die Bonität des Kunden bei der Kreditkartenfirma überprüft.

 

Welchen Vorteil bietet eine Prepaid-Kreditkarte gegenüber einer herkömmlichen Kreditkarte?

Im Gegensatz zur herkömmlichen Kreditkarte wird dem Inhaber einer Prepaid-Kreditkarte kein Kredit gewährt. Das bedeutet, es kann nur soviel Geld ausgegeben werden, wie sich auf dem Konto befindet. Das hat den Vorteil, dass es im Prinzip nicht möglich ist die Karte zu überziehen oder in eine Kostenfalle zu geraten.

 

Wird beim Erwerb einer Prepaid-Karte eine Bonitätsprüfung durchgeführt?

Die Prepaid-Karte ist nicht an einen Bankkredit gebunden. Daher besteht auch kein Kreditrückzahlungsrisiko für die Bank. Auf eine Bonitätsprüfung kann somit verzichtet werden.

 

Kostet die Prepaid-Karte etwas?

Viele Prepaid-Kreditkarten sind kostenlos bei Banken oder Online-Direktbanken erhältlich. Es gibt aber auch Karten, bei denen die Nutzung nur nach Zahlung einer Jahresgebühr möglich ist. Die Höhe der Gebühren wird von den Banken unterschiedlich gehandhabt.

TIPP: Es lohnt sich auf jeden Fall die Kartenanbieter bezüglich der Gebühren für die Nutzung der Prepaid-Kreditkarte zu vergleichen. Kostenlose Online-Vergleichsportale können dabei eine große Hilfe sein.

Gibt es bei einer Prepaid-Kreditkarte versteckte Kosten?

Bei manchen Prepaid-Kreditkarten gibt es durchaus finanzielle Ausgaben, die nicht sofort zu erkennen sind. Dabei können folgende Kosten zum Teil sehr teuer werden:

  • Bargeldgebühr
  • Kosten für Fremdwährungen
  • Kosten für eine Ersatzkarte

 

Was ist unter einer Bargeldgebühr zu verstehen?

Generell kann mit einer seriösen Prepaid-Card sowohl im Inland als auch im Ausland an bestimmten Geldautomaten Bargeld abgehoben werden. Allerdings ist das in der Regel mit teilweise hohen Kosten verbunden, die von den Banken als Bargeldgebühren deklariert werden.

 

Was ist eine Fremdwährungsgebühr?

Mit manchen Prepaid-Karten ist möglich außerhalb der Europäischen Union per Karte zu bezahlen beziehungsweise Geld abzuheben. Für die Fremdwährung wird dann in den meisten Fällen eine Fremdwährungsgebühr berechnet, die einen bestimmten Prozentsatz des bezahlten Betrages ausmacht.

 

Was kostet eine Ersatzkarte?

Geht eine Prepaid-Karte verloren und muss eine neue ausgestellt werden, berechnen manche Banken pauschal eine Gebühr für den Kartenersatz.

Die Kosten die bei einer Prepaid-Kreditkarte unter Umständen anfallen, gibt es in der Regel auch bei den normalen Kreditkarten. In sofern sind diese Zusatzkosten nicht unbedingt als negatives Kriterium der Prepaid-Variante zu sehen.

 

Was geschieht im Falle eines Diebstahls?

Wie bei jeder anderen Kreditkarte auch, kann der Freiberufler die Prepaid-Kreditkarte im Falle eines Diebstahls oder auch Verlusts per Telefon oder Internet jederzeit sperren. Allerdings ist der Diebstahl einer Prepaid-Kreditkarte in den meisten Fällen nicht mit so schweren Folgen verbunden wie bei einer herkömmlichen Karte. Das liegt vor allem daran, dass bei der Prepaid-Version nur das vorhandene Guthaben verloren geht, während bei einer normalen Karte auch der Dispositionskredit in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

TIPP: Freiberufler, die im Besitz einer Prepaid-Kreditkarte sind, sollten möglichst immer abschätzen, wie viel Geld voraussichtlich benötigt wird. Insbesondere in der Gründerphase kann der Verlust der Karte und damit das dort eingezahlte Geld schnell zu existenziellen Schwierigkeiten führen.

 

Gibt es eine Diebstahlversicherung für Prepaid-Kreditkarten?

Wird die Prepaid-Kreditkarte gestohlen, gibt es keine speziellen Diebstahlversicherung, die für den Schaden aufkommt. Anders sieht es aber mit den Waren aus, die mit der Kreditkarte bezahlt wurden und dann gestohlen werden. Viele Banken bieten diesbezüglich eine kostenlose Einkaufsversicherung an, die nahezu alle mit der Prepaid-Kreditkarten bezahlten Waren vor Raub, Einbruchdiebstahl und Beschädigung durch einen Unfall schützt. Der Versicherungsschutz besteht jeweils für 30 Tage ab dem Kaufdatum.

Freiberufler nutzen die Prepaid- Kreditkarte meist zum Kauf von Waren. Da es sich bei der freiberuflichen Tätigkeit um keine Waren eines Gewerbebetriebes handelt, sonder um einen reinen Privatkauf, kann der Freiberufler die Einkaufsversicherung im Notfall in Anspruch nehmen.

 

Was sollte ein Freiberufler bei der Nutzung einer Prepaid-Kreditkarte beachten?

Eine Prepaid-Kreditkarte ist insbesondere für Freiberufler eine echte Alternative zur klassischen Kreditkarte. Allerdings sollten mit der Kartenalternative nur die Sachen bezahlt werden, die im Zusammenhand mit der freiberuflichen Tätigkeit stehen. Das bedeutet, dass auf keinen Fall die privaten Ausgaben mit denen der freiberuflichen Tätigkeit vermischt werden dürfen. Ansonsten droht die Gefahr, den Überblick über die Finanzen zu verlieren. Experten empfehlen daher von Anfang an zwei Prepaid-Kreditkarten zu verwenden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Karten von ei n und der selben Bank ausgegeben werden.

 

Welche Prepaid-Kreditkarte ist die richtige?

Zurzeit bietet fast jede Bank eine Prepaid-Kreditkarte an, auch wenn das Bankinstitut natürlich größeres Interesse an den Vertrieb von normalen Kreditkarten mit dem dazugehörigen Dispokredit hat. In der Funktionsweise sind sich alle Karten gleich. Erst die Karte mit Geld aufladen und dann im Rahmen des eingezahlten Betrages einkaufen. Allerdings bestehen teilweise gravierende Unterschiede im Detail. Vor allem bei den Kosten ist Vorsicht geboten. Daher sollte jeder Freiberufler, bevor er sich eine Prepaid-Kreditkarte zulegt die verschiedenen Anbieter und deren Leistungspakete vergleichen. Im Internet gibt es diesbezüglich Vergleichsportale, die kostenlos und unverbindlich bei der Suche nach der passenden Prepaid-Kreditkarte für Freiberufler eine große Hilfe sein können. Dabei sind insbesondere Banken mit Sitz im nicht europäischen Ausland mit Vorsicht zu genießen.