Motorrad-Versicherungen im Vergleich

Der Frühling steht vor der Tür und wie jedes Jahr fiebern alle Biker der ersten Ausfahrt entgegen. Endlich kann wieder das Gefühl von Freiheit auf einem Motorrad genossen werden. Doch egal ob Vespa oder Harley, es sollte auf keinen Fall die Motorradversicherung vergessen werden.

 

Müssen Motorräder versichert werden?

In Deutschland ist eine Haftpflichtversicherung für Motorräder verpflichtend vorgeschrieben. Sie kommt für Schäden auf, die ein Motorradfahrer bei einem Unfall anderen Personen oder Sachen zufügt. Keine Pflicht, aber dennoch sehr sinnvoll sind Kaskoversicherungen, die auch bestimmte Schäden am eigenen Bike abdecken. Dabei wird zwischen Teilkasko und Vollkaskoversicherung unterschieden.

Mopeds, Mofas und Motorroller, die nicht schneller als 60 km/h fahren und deren Hubraum nicht größer als 50 cm² ist, benötigen keine Motorradversicherung. Hier genügt ein Versicherungskennzeichen, das ein Jahr gültig sein muss.

Was ist eine Motorradhaftpflicht?

Wer in Deutschland mit seinem Bike am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen möchte, ist gesetzlich verpflichtet eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Eine Ausnahme gibt es nicht. Mit dieser Versicherungspflicht hat der Gesetzgeber die Rechte Dritter abgesichert, die durch das Motorrad einen Schaden erlitten haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Fahrer bezüglich des Schadens eine Schuld oder nur eine Teilschuld trifft. Die Haftpflicht reguliert auf jeden Fall die Schäden Dritter. Damit wird garantiert, dass gerechtfertigte Schadensersatzansprüche auch dann erfüllt werden, wenn der Schadensverursacher selbst dazu nicht in der Lage ist. Allerdings zahlt die Versicherung nur die beim Abschluss der Haftpflicht vereinbarte Summe beziehungsweise die gesetzliche Mindestversicherungssumme, die auch Deckungssumme genannt wird. Darüber hinausgehende Schadensersatzansprüche muss der Verursacher aus eigener Tasche bezahlen.

Welche Mindestversicherungssummen werden in der Regel bezahlt?

Bei der Haftpflicht gibt es Deckungssummen, die gesetzlich vorgeschrieben sind:

  • Für Personenschäden sind bis zu 7,5 Millionen Euro vorgesehen
  • Für Sachschäden werden bis zu 1,12 Millionen Euro gezahlt
  • Für Vermögensschäden (finanzielle Verluste) ist die Versicherung gesetzlich verpflichtet bis zu 50.000 Euro auszuzahlen

 

Welche Kosten werden von der Haftpflicht übernommen?

Wurde ein anderes Fahrzeug beschädigt, werden von der Versicherung alle Kosten übernommen, die im Zusammenhang mit diesem Schaden stehen. Das können zum Beispiel Kosten für das Abschleppunternehmen als auch die Wiederherstellungskosten für das geschädigte Fahrzeug sein. Wird während der Reparatur ein Mietwagen benötigt, trägt die Versicherungsgesellschaft auch die Kosten für den sogenannten Nutzungsausfall. Anders sieht es aus, wenn sich bei dem gegnerischen Auto aus technischen oder rein wirtschaftlichen Gründen eine Reparatur nicht mehr lohnt. In diesem Fall wird über die Haftpflichtversicherung der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs gezahlt.

Wiederbeschaffungswert bedeutet nicht, dass ein Neufahrzeug bezahlt wird. Viel mehr muss die Versicherung nur den Zeitwert ersetzen, den das Fahrzeug vor dem Schadenseintritt gehabt hat. In der Regel wird ein Sachverständiger beziehungsweise Gutachter mit der Ermittlung des tatsächlichen Zeitwertes beauftragt. Dessen Kosten gehen ebenfalls zu Lasten der Versicherung.

 

Zahlt die Versicherung im Falle eines Rechtsstreits die Anwaltskosten?

Grundsätzlich hat jede Versicherungsgesellschaft ein Interesse daran ungerechtfertigte Schadensansprüchen Dritter gegen den Versicherten abzuwehren, notfalls auch vor Gericht. Allerdings dient das Interesse weniger dem Versicherten als der Kostensenkung im Versicherungsfall. Daher sind die Versicherer auch gerne bereit die Anwaltskosten zu übernehmen.

Zahlt die Haftpflichtversicherung für Personenschäden?

Werden bei einem Motorradunfall Personen verletzt, was als Personenschäden bezeichnet wird, begleicht die Haftpflichtversicherung alle damit zusammenhängenden Kosten. Darunter fallen zum Beispiel die Kosten für eine medizinische Behandlung sowie die eventuell später erforderlichen Reha-Maßnahmen. Allerdings zahlt der Versicherungsgeber nur die Kosten, die von der Krankenkasse nicht getragen werden. Sollte die jeweilige Krankenkasse den Unfallverursacher in Regress nehmen, so springt auch hier die Haftpflichtversicherung ein. Das Gleiche gilt für krankheitsbedingte Verdienstausfälle, Schmerzensgeld und auf dem Unfall basierende Rentenzahlungen.

Wer muss im Todesfall die Bestattungskosten tragen?

Sollte die durch den Unfall verletzte Person sterben, begleicht die Versicherung die Beerdigungskosten und zahlt den Hinterbliebenen gegebenenfalls Unterhalt.

TIPP: Im Schadensfall kommen schnell Summen von mehreren Millionen Euro zusammen. Daher ist es ratsam eine Versicherung abzuschließen, die eine pauschale Versicherungssumme von mindesten 100 Millionen deckt.

Lohnt sich eine Teilkaskoversicherung?

Wer auch Schäden am eigenen Motorrad absichern will sollte sich eine Teilkaskoversicherung zulegen. Allerdings erfasst die Teilkasko nur solche Schäden am eigenen Bike, die nicht durch menschliches Zutun verursacht werden. Wird das Motorrad zum Beispiel durch ein Tier oder Unwetter beschädigt, gibt es keinen Schadenverursacher, der haftbar gemacht werden könnte. In diesen Fällen greift die Teilkaskoversicherung und reguliert die entstandenen Schäden. Der Abschluss einer Teilkaskoversicherung lohnt sich daher unbedingt.

Welche Schäden werden durch die Teilkaskoversicherung gedeckt?

Im Rahmen einer Motorradversicherung werden folgende Kosten von der Teilkaskoversicherung übernommen:

      • Unwetterschäden und Naturgewalten wie Sturm, Hagel, Blitzschlag,und Überschwemmung. Aber auch Erdrutsch und Erdsenkung sollten von der Versicherung erfasst werden
      • Explosionen und Brand
      • Zusammenstöße mit sogenanntem Haarwild wie Wildschweine und Rehe. Vor dem Abschluss der Versicherung sollte unbedingt geprüft werden, ob die Versicherung auch Tiere aller Art wie Kühe und Pferde berücksichtigt, was als erweiterter Wildschutz bezeichnet wird.
      • Diebstahl
      • Glasbruch beispielsweise an den Scheinwerfern oder Blinkern
      • Schäden, die an der Verkabelung durch einen Kurzschluss entstehen. Hier ist zu beachten, dass auch Folgeschäden am Motor sowie anderen Teilen des Motorrades mit versichert sein sollten.
      • Schäden die durch Marder oder andere Tiere am Motorrad verursacht werden

 

 

Ist der Motorradhelm im Versicherungsschutz enthalten?

Im den Versicherungsleistungen der Motorrad -Teilkaskoversicherung sind in der Regel auch befestigte Anbauten wie Tankrucksäcke, Gepäckrollen und Satteltaschen beziehungsweise Motorradkoffer enthalten. Auch der Helm zählt dazu, sofern er mit dem Bike durch eine spezielle Helmhalterung fest verbunden ist. Allerdings ersetzt die Versicherung diese Helme nur bis zu einer bestimmten Obergrenze. Diese Regelung gilt allerdings nur für teure Helme. Einfache Helme hingegen werden ohne Einschränkung von der Teilkasko ersetzt. Auch wenn befestigte Aufbauten des Motorrades mitversichert sind, so gilt das aber nicht unbedingt für den Inhalt. Dieser wird meist von der Versicherung nicht als zu regulierender Schaden anerkannt.

Welchen Leistungsumfang hat eine Vollkaskoversicherung?

Einen noch umfassenderen Schutz als die Teilkaskoversicherung bietet die Vollkaskoversicherung. Die Vollkaskoversicherung enthält generell alle Leistungen der Teilkaskoversicherung. Allerdings ist der Leistungsumfang wesentlich umfangreicher, da bei der Vollkasko-Variante auch Schäden versichert sind, die der Versicherungsnehmer an seiner Maschine selbst verursacht hat. Zudem sind auch Schäden die durch Vandalismus entstehen mitversichert. Sollte ein Unfallverursacher Fahrerflucht begehen und kann auch später nicht ermittelt werden, so trägt die Teilkaskoversicherung die Kosten für die Reparatur des Motorrades.

Wann lohnt sich eine Vollkaskoversicherung?

Eine Vollkaskoversicherung lohnt sich immer bei einem neuen Motorrad, insbesondere wenn das gute Stück mittels einer Finanzierung erstanden wurde. Aber auch bei Oldtimern und Raritäten ist der Abschluss eine Vollkaskoversicherung zu empfehlen. Experten raten zu einer Vollkaskoversicherung ,wenn das Bike über 15.000 Euro gekostet hat.

TIPP: Es ist wichtig, dass in der Versicherungspolice der Verzicht auf Einwand grober Fahrlässigkeit steht. Ansonsten könnte die Versicherung in bestimmten Fällen aufgrund von Fahrlässigkeit die Versicherungsleistung kürzen oder unter Umständen sogar ganz streichen. So kann beispielsweise das Überfahren einer roten Ampel als grob fahrlässige Fahrweise ausgelegt werden.

Sind Schäden unter Alkoholeinfluss versichert?

Schäden, die beim Motorradfahrten unter Alkohol-oder Drogeneinfluss verursacht werden sind prinzipiell von der Leistung jeglicher Motorradversicherung ausgeschlossen.

Wie setzen sich die Kosten der Motorradversicherung zusammen?

Die Höhe der Versicherungsprämien werden vor allem nach der sogenannten Risikobewertung sowie der Leistung im Schadensfall berechnet.

Was ist unter dem Begriff Risikobewertung zu verstehen?

Bei der Berechnung der Versicherungsbeiträge im Rahmen einer Motorradversicherung spielen insbesondere Risikomerkmale eine entscheidende Rolle. Das bedeutet, die Versicherung versucht bereits vor Vertragsschluss die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls abzuschätzen. Dabei wird sowohl das Alter als auch die Erfahrung des Motorradfahrers berücksichtigt. So müssen Fahranfänger und Personen unter 23 Jahren mit verhältnismäßig hohen Versicherungsbeiträgen rechnen. Aber auch der Familienstand und der Beruf des Versicherungsnehmers sind wichtige Kriterien bei der Berechnung der Versicherungsprämien.

Gibt es Möglichkeiten die Beiträge zu senken?

Durch eine Selbstbeteiligung lassen sich die Beiträge für eine Motorradversicherung senken. Selbstbeteiligung bedeutet, dass sich der Versicherte im Schadensfall mit einem bestimmten finanziellen Eigenanteil an der Schadensregulierung beteiligt. In der Regel liegen die Beträge der Selbstbeteiligung bei 150 Euro bis 1.000 Euro. Dabei gilt, je höher die Selbstbeteiligung, desto niedriger die Versicherungsprämie.

Was geschieht, wenn die Schadenssumme die Selbstbeteiligung überschreitet?

Sollte die Regulierung des Schadens mehr Geld kosten als die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung, wird die Restsumme von der Versicherung übernommen.

Wer eine Motorradversicherung abschließen möchte sollte nach Sondertarifen fragen, die häufig speziell für Beamte und Angehörige bestimmter Berufsgruppen, sowie Ehepartnern oder Lebensgefährten angeboten werden.

Spielt es eine Rolle, wie viel das Motorrad gefahren wird?

Die Versicherungsgesellschaften gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit proportional mit der Fahrleistung sinkt oder steigt. Dabei spielen unter anderem die jeweiligen Regionalklassen eine Rolle. Entsprechend werden die Beiträge kalkuliert. Dabei verlässt sich der Versicherer auf die Angaben des Motorradfahrers, sollte dieser seine eigne Fahrleistung zu niedrig eingeschätzt haben, so kann jederzeit das Limit angehoben werden. Allerdings ist das mit höheren Beitragszahlungen verbunden.

Welche Bedeutung haben die Regionalklassen?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ermittelt regelmäßig die Regionalklassen für Autos und Motorräder. Dabei ist vor allem entscheidend, wie viele Unfälle in den einzelnen Regionen zu verzeichnen sind. Bei der Betragsermittlung wird dann die Wohngegend des Antragstellers berücksichtigt. Wohnt dieser in einer Region mit wenig Unfällen, wirkt sich das positiv auf die Beiträge aus.

Welche Kriterien sind bei der Beitragsermittlung besonders wichtig?

Ein wichtigstes Kriterium bei der Ermittlung der Versicherungsbeiträge ist die Motorleistung. Dabei gilt, je höher die PS-Zahl. umso teurer sind die Beitragszahlungen.

Welche Bedeutung hat die Schadensfreiheitsklasse?

Unfallfreies Fahren wird mit sogenannten Schadensfreiheitsrabatten belohnt. Dazu werden die Fahrer in Schadensfreiheitsklassen, die auch SF-Klassen genannt werden, eingestuft. Die Höhe der SF-Klasse bestimmt sich nach dem Schadensverlauf der letzten Jahre. Je höher die SF-Klasse ist, desto mehr Rabatt wird gewährt. Hier kann so mancher Euro bei den Versicherungsprämien gespart werden. Allerdings führt jeder Unfall konsequent zu einer Rückstufung im Rabattsystem.

Vor allem bei kleinen Schäden lohnt es sich durchaus zu prüfen, ob die Versicherung eingeschaltet wird oder ob der Schaden nicht besser selbst reguliert wird. In manchen Fällen übersteigen die durch die Herabstufung errechneten Beiträge den tatsächlichen Schaden.

Was sollte vor dem Abschluss einer Motorradversicherung beachtet werden?

Das System mit dem die Beiträge berechnet werden ist bei allen Versicherungsgesellschaften dasselbe. Unterschiede bestehen lediglich bei den Klassenzuordnungen, Tarifbestimmungen und Rabatten. Wer eine Motorradversicherung abschließen will, sollte daher erst über einen der kostenlosen Beitragsrechner im Internet den voraussichtlichen Versicherungsbeitrag berechnen lassen. Ist die passende Versicherungsprämie gefunden, ist es ratsam in einem Online-Vergleichsportal die verschiedenen Versicherungsanbieter mit einander zu vergleichen. Sollte sich jedoch im nachhinein herausstellen, dass es doch nicht die richtige Motorradversicherung war, kann am Ende eines jeden Jahres die Versicherung ohne Angabe von Gründen problemlos gewechselt werden.