Private Pflegeversicherung für Freiberufler und Selbstständige

Da die Lebenserwartung aufgrund des medizinischen Fortschritts immer weiter ansteigt, werden auch immer häufiger Pflegeleistungen in Anspruch genommen.

Arbeitnehmer müssen sich in der Regel keine Gedanken über einen passenden Versicherungsschutz in diesem Segment machen, da sie automatisch – zumindest zum Teil – über die Pflegeversicherung ihrer Krankenkasse abgesichert sind.

Anders sieht das allerdings bei Freiberuflern und Selbstständigen aus. Diese Berufsgruppe muss sich um eine passende Absicherung selber kümmern, umso wichtiger ist es sich mit dem Thema der privaten Pflegeversicherung rechtzeitig auseinanderzusetzen.

Welche Möglichkeiten Freiberufler in diesem Segment haben und worauf es zu achten gilt, zeigt der folgende Ratgeber.

 

1. Welche Aufgaben umfasst eine private Pflegeversicherung?

Eine private Pflegeversicherung gewährleistet, dass der Versicherungsnehmer im Falle einer Pflegebedürftigkeit finanziell unterstützt wird und zwar dann wenn er auf Unterstützung angewiesen ist. Diese Unterstützung kann durch einen ambulanten Pflegedienst, durch ein Pflegeheim aber auch durch die Pflege von Familienangehörigen erfolgen.

Eine Pflegebedürftigkeit besteht dann, wenn der Betroffene aufgrund einer Behinderung oder Krankheit mindestens für 6 Monate Hilfe in Anspruch nehmen muss. Je nach Schwere dieser Bedürftigkeit umfasst diese Unterstützung Hilfe bei täglich und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen sowie die Versorgung des Haushalts, Hilfe bei der Körperpflege und Ernährung.

 

2. Besteht eine Pflegeversicherungspflicht?

In Deutschland sind Selbstständige und Freiberufler gesetzlich dazu verpflichtet eine Kranken- und eine Pflegeversicherung abzuschließen. Beide Versicherungen sind eng miteinander gekoppelt. Das liegt schlicht und einfach daran, dass das Pflegerisiko auch immer dort abgesichert wird, wo auch eine Krankenversicherung vorhanden ist. Aus diesem Grund bieten viele Versicherungsgesellschaften sogenannte Kombipakete bestehend aus Kranken- und Pflegeversicherung an.

 

3. Gibt es Ausnahmeregelungen?

Eine Ausnahme stellen Publizisten und Künstler dar, da diese über die Künstlersozialkasse gesetzlich pflegeversichert sind. Trotzdem ist für diesen Personenkreis eine private Pflegeversicherung als zusätzliche Vorsorge unbedingt zu empfehlen, um die Lücke zwischen den tatsächlichen Kosten und dem Betrag, der von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen wird, zu schließen.

 

4. Wie beeinflusst die Krankenversicherung die Pflegeversicherung?

Grundsätzlich haben Freiberufler und Selbstständige die Wahl zwischen einer gesetzlichen und privaten Krankenversicherung. Die gewählte Form der Krankenversicherung entscheidet dann ob derjenige gesetzlich oder privat pflegeversichert ist. Hinzu kommt, dass die private Pflegeversicherung komplett unabhängig vom jeweiligen Berufsstand abgeschlossen wird, so dass man hier eigenständig entscheiden kann welche Variante man möchte. Fällt die Wahl auf die gesetzliche Krankenversicherung ist der Versicherte somit bei der angeschlossenen Pflegekasse pflichtversichert.

 

5. Warum lohnt sich eine private Pflegeversicherung für Freiberufler?

Um sich vor Augen führen zu können, warum sich eine private Pflegeversicherung lohnt, sollte man zunächst einen Blick auf die Kosten werfen, die bei einer Pflegebedürftigkeit auftreten. Besteht die Pflegestufe 3 und ist eine vollstationäre Betreuung notwendig, können sich die Kosten für einen Pflegeplatz auf monatlich rund 3.500 und meistens sogar noch mehr belaufen.

Die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligt sich an den Kosten aber nur im Rahmen der Grundabsicherung und zwar je nach Pflegegrad bis maximal 1.995 Euro. Die Differenz müsste vom Versicherten dann selbst gezahlt werden. Diese Lücke kann aber bestens mit einer privaten Pflegezusatzversicherung geschlossen werden. Daher lohnt sich eine private Pflegeversicherung nicht nur für Freiberufler.

Alles in allem deckt die private Pflegeversicherung alle finanziellen Risiken im Bereich einer Pflegebedürftigkeit ab. Je nachdem für welchen Vertrag man sich entscheidet, wird ein Tagegeld oder eine monatliche Pflegerente ausgezahlt oder die bereits erwähnte Kostendifferenz.

 

6. Sind Angehörige des Versicherten bei einer privaten Pflegeversicherung automatisch mitversichert?

Kinder des Versicherten sind automatisch mitversichert, Ehepartner leider nicht.

 

7. Muss die private Pflegeversicherung beim gleichen Versicherungsunternehmen wie die Krankenversicherung abgeschlossen werden?

Nein! Die private Pflegeversicherung und die Krankenversicherung können sowohl beim gleichen Versicherungsunternehmen als auch bei verschiedenen Versicherungen abgeschlossen werden.

Achtung: Es kann hier aber durchaus passieren, dass die Versicherer sich nicht darüber einigen können, welche Versicherung im Falle einer Pflegebedürftigkeit zahlt. Daher kann es durchaus sinnvoll sein, beide Versicherungen bei einer Versicherungsgesellschaft abzuschließen.

 

8. Wann sollte die private Pflegeversicherung abgeschlossen werden?

Auch bei dieser Versicherungsform gilt: Je früher, desto besser. Umso jünger der Versicherte bei Abschluss der Versicherung ist, desto niedriger fallen nämlich die zu leistenden Prämien aus.

 

9. Welche Arten der privaten Pflegeversicherung stehen zur Auswahl?

Im Bereich der privaten Pflegeversicherung unterscheidet man zwischen Zusatzpolicen wie der Pflegetagesgeldversicherung. Bei dieser Versicherungsform wird ein vorher vertraglich vereinbarter Geldbetrag für jeden Pflegetag ausgezahlt. Dieser ist unabhängig von den tatsächlich anfallenden Pflegekosten.

Dann gibt es noch den Pflege-Bahr, wobei es sich ebenfalls um eine Pflegetagesgeldversicherung handelt, allerdings zusätzlich mit staatlicher Förderung. Die Förderung kann von Personen in Anspruch genommen, die gesetzlich oder privat pflegeversichert sind oder noch keine Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen.

Es darf immer nur ein Pflege-Bahr Vertrag pro Person abgeschlossen werden.

Die Pflegerentenversicherung stellt eine besondere Form der Lebensversicherung dar. Tritt eine Pflegebedürftigkeit ein, wird eine vertraglich vereinbarte Rente ausgezahlt. Eine weitere besondere Form ist die Unfall-Pflegerentenversicherung. Diese zahlt nur dann Leistungen, wenn die Pflegebedürftigkeit in Folge eines Unfalls verursacht wurde.

Zu guter Letzt gibt es noch die sogenannte Pflegekostenversicherung. Sie dient zur Aufstockung der gesetzlichen Lücke.

 

10. Darf neben dem Pflege-Bahr noch eine zusätzliche private Pflegeversicherung abgeschlossen werden?

Ja! Weitere Leistungen können zusätzlich zum Pflege-Bahr noch mit einem nicht geförderten Tarif versichert werden. Beachtet werden sollte allerdings, dass für eine “normale” Pflegezusatzversicherung nicht die gesetzlichen Vorgaben gelten, wie es bei der Pflege-Bahr-Versicherung der Fall ist. Das kann wiederum zur Folge haben, dass der Versicherte aufgrund von Vorerkrankungen abgelehnt wird.

 

11. Wie hoch ist der Beitragssatz bei einer privaten Pflegeversicherung?

Die Beiträge richten sich bei einer privaten Pflegeversicherung nach dem individuellen Risiko bei Vertragsabschluss, sprich dem Risiko eine Pflegebedürftigkeit zu entwickeln. Dieses Risiko ist bei fortgeschrittenem Alter natürlich höher, wodurch der Beitrag dann auch dementsprechend höher ausfällt. Wie bereits erwähnt wird derjenige belohnt, der eine private Pflegeversicherung schon in jungen Jahren abschließt und zwar mit niedrigen Beiträgen.

 

12. Welche Rahmenbedingungen gelten bei der privaten Pflegeversicherung?

Auch bei der privaten Pflegeversicherung gibt es gesetzlich vorgeschriebene Rahmenbedingungen an die sich die Versicherungsgesellschaften halten müssen. So müssen Vorerkrankungen des zu Versichernden berücksichtigt werden. Des Weiteren dürfen für Männer und Frauen keine unterschiedlichen Beiträge veranschlagt werden.

Hinzu kommt, dass der Pflege-Höchstbetrag nicht den maximalen Betrag der sozialen Pflegeversicherung überschreiten darf. Bei Ehepaaren darf die Beitragsbegrenzung nicht über 150 Prozent vom Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung liegen.

 

13. Wie hoch sind die Beiträge bei der privaten Pflegezusatzversicherung?

Ähnlich wie bei der bereits erwähnten privaten Pflegevollversicherung richten sich die Beiträge bei der privaten Pflegezusatzversicherung nicht nach dem Einkommen des zu Versichernden. Das bedeutet wiederum, dass die Leistungen aber auch die Prämien ganz individuell festgelegt werden können.

Des Weiteren richtet sich der Beitrag nach dem Alter des Versicherungsnehmers und zwar bei Abschluss des Vertrags, nach den vertraglich vereinbarten Leistungsstaffelungen abhängig von den Pflegestufen und dem Gesundheitszustand vom Versicherungsnehmer.

 

14. Ab welchem Beitrag erhält man den Pflege-Bahr?

Der monatliche Mindestbetrag der Pflegeversicherung muss 10 Euro betragen. Dann kann der Pflege-Bahr in Anspruch genommen werden. Allerdings hängt die Beitragshöhe auch von der abgeschlossenen Summe und dem Alter des Versicherten ab.

Der staatliche Zuschuss beläuft sich dann auf 5 Euro pro Monat/ 60 Euro im Jahr. Des Weiteren müssen förderungswürdige Versicherungsverträge vorhanden sein, um den Zuschuss zu erhalten. Beantragen muss der Versicherte dies nicht, da alles vom Versicherer geregelt wird.

 

15. Welche Pflegestufen gibt es?

Auch wenn keine Pflegebedürftigkeit besteht, sollte man sich auch von vornherein mit den verschiedenen Pflegestufen auseinanderzusetzen, um im Falle einer Pflegebedürftigkeit vorbereitet zu sein. Im Folgenden werden die einzelnen Pflegestufen vorgestellt:

Pflegestufe 0
Bei Pflegegrad 0 liegt eine geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit vor. Anspruch haben auf diese Pflegestufe unter anderem psychisch Kranke, geistig behinderte und Demenzkranke. Des Weiteren muss der Betroffene länger als ein halbes Jahr betreut werden.

Pflegestufe I
Die Pflegestufe 1 wird auch als erhebliche Pflegebedürftigkeit bezeichnet. Eingestuft werden in diese Stufe Personen, die mindestens einmal am Tag hilfebedürftig sind und zwar bei mindestens zwei Verrichtungen. Dabei kann es sich um einen Bereich oder um mehrere Bereiche wie zum Beispiel bei der Grundpflege in Form von Mobilität, Ernährung oder Körperpflege handeln. Des Weiteren muss der Betroffene mehrmals in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der tägliche Pflegeaufwand muss durchschnittlich 90 Minuten betragen, wovon 45 Minuten für die Grundpflege aufgebracht werden.

Pflegestufe II
Diese Stufe wird als Schwerpflegebedürftigkeit bezeichnet. Hier muss mindestens dreimal am Tag und zwar zu unterschiedlichen Tageszeiten eine Hilfebedürftigkeit bei der Grundpflege bestehen. Des Weiteren muss der Betroffene mehrmals in der Woche Hilfe bei seinen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten benötigen. Der wöchentliche Pflegeaufwand muss hier pro Tag durchschnittlich und zwar mit Unterbrechungen 3 Stunden betragen, wobei 2 Stunden davon zur Grundpflege gehören müssen.

Pflegestufe III
Die Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Pflegeaufwand so hoch ist, dass der Betroffene zu jeder Tages- und Nachtzeit, sprich rund um die Uhr, betreut werden muss. Außerdem muss mehrmals in der Woche ein Bedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung bestehen. Der tägliche Pflegeaufwand muss durchschnittlich 5 Stunden pro Tag betragen, wovon 4 Stunden für die Grundpflege benötigt werden müssen.

Hinweis: Es gibt auch eine Härtefallregelung. Diese tritt dann in Kraft, wenn die Voraussetzungen für die zweite Pflegestufe vorhanden sind, aber trotzdem ein weitaus intensivere Pflegeaufwand vorliegt. Weite Informationen kann man sich diesbezüglich auch beim Bundesministerium für Gesundheit einholen. Mit der Einführung der neuen Pflegestufen kann dieser Personenkreis nun die Pflegestufe 5 erhalten.

Achtung: Die Pflegestufen wurden überarbeitet. Seit dem 01.01.2017 gibt es insgesamt 5 Pflegestufen. Pflegestufe 0 und 1 ist nun Pflegestufe 2, Pflegestufe 1 mit e. A. und 2 ist Pflegestufe 3, Pflegestufe 2 mit e. A. und 3 ist Pflegestufe 4 und Pflegestufe 3 mit e. A. und 3 mit Härtefall ist Pflegestufe 5.

Wenn die Versicherungsgesellschaft die Pflegestufe aus Sicht des Versicherten falsch einstuft, besteht die Möglichkeit einen Widerspruch einzulegen.

 

16. Wie hoch sollte das Pflegegeld pro Pflegestufe bei der privaten Pflegeversicherung sein?

Ein Platz in einem Pflegeheim kostet durchschnittlich um die 3.500 Euro. Liegt die Pflegestufe III vor wird von der gesetzlichen Pflegeversicherung 700 Euro an Pflegegeld übernommen. Daher sollte die private Pflegeversicherung im Idealfall 2.800 Euro monatlich zahlen, um die Differenz auszugleichen.

 

17. Gibt es große Unterschiede bei den Versicherungsgesellschaften der privaten Pflegeversicherung?

Wie bei allen gängigen Versicherungen gibt aus auch bei den Anbietern von privaten Pflegeversicherungen hinsichtlich Tarif und Preis große Unterschiede. Daher sollte man sich nicht nur als Freiberufler oder Selbstständiger viel Zeit dafür nehmen, die einzelnen Anbieter zunächst sorgfältig zu begutachten und miteinander zu vergleichen.

Damit nicht jede Versicherungsgesellschaft einzeln überprüft werden muss, gibt es sogenannte Versicherungsvergleiche, die inzwischen zahlreich im Internet zu finden sind. Regelmäßige Tests der einzelnen Versicherungen bietet zum Beispiel Stiftung Warentest an. Hier kann man sich sicher sein, dass es sich um unabhängige und neutrale Tests handelt.

 

18. Wie verrechnen gesetzliche und private Pflegeversicherung die Kosten untereinander?

Erfolgt die Einstufung in eine Pflegestufe können die Leistungen aus der privaten und gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden. Wie bereits kurz erläutert, richtet sich die Leistung nach der jeweiligen Pflegestufe. Dabei ergänzen sich beide Versicherungen im Idealfall und zahlen jeweils einen Teil von den gesamten Kosten.

Das hat wiederum zur Folge, dass sich die Leistungen der privaten Pflegeversicherung durch den Anteil, der von der gesetzlichen Pflegeversicherung gezahlt wird, verringern. Handelt es sich um eine Pflegezusatzversicherung, kann der vertraglich festgelegte Satz in vollem Umfang ohne Abzüge in Anspruch genommen werden.

 

19. Wie kann man die Pflegeversicherung kündigen?

Da die Pflegeversicherung in Deutschland an die Krankenversicherung gebunden ist, kann nur beides gemeinsam gekündigt werden. In der Regel kann die Kündigung zum Ende des übernächsten Monats erfolgen, wobei die Bindungsfrist von 18 Monaten berücksichtigt werden muss.

Der erste Schritt besteht bei einer geplanten Kündigung immer darin, einen Aufnahmeantrag bei der neuen Versicherung zu stellen. Anschließend müssen die Aufnahmebestätigung und die formlose Kündigung so schnell wie möglich an die alte Versicherung gesendet werden. An die neue Versicherung wird dann die Kündigungsbestätigung gesendet.

 

20. Kann das Pflegegeld bei einer Pflegeversicherung ausgesetzt werden?

Ein Ruhen lassen der Pflegeversicherung ist grundsätzlich möglich. Wenn von anderen Institutionen die Leistungen aus der Pflegeversicherung übernommen werden, ruht die gesetzliche Pflegeversicherung automatisch. Bei einer privaten Pflegeversicherung ist das anders, hier muss ein Hinweis darauf gegeben werden.

Achtung: Die private Pflegeversicherung kann die Option des Ruhenlassens auch vertraglich ausschließen.