Wohngebäudeversicherung

Bei der Gebäudeversicherung handelt es sich um eine Versicherung, die Schäden am und im Haus abdeckt. Dabei ist in der Regel davon auszugehen, dass es sich bei den meisten Gebäudeversicherungen um sogenannte verbundene Gebäudeversicherungen handelt, die mehrere Komponenten in sich vereinen. Gerade diese Art der Wohngebäudeversicherung schützt den Hauseigentümer vor viele verschiedene Risiken, die unter anderem aus Sturm- und Hagelschäden, Feuer- und Leitungswasserschäden resultieren Man spricht hier auch von den versicherten Gefahren. Diese Art der Gebäudeversicherung nennt man auch eine Elementarschadenversicherung.

 

Was ist Gegenstand der Wohngebäudeversicherung?

Gegenstand der Wohngebäudeversicherung ist das zu Wohnzwecken genutzte Gebäude an sich. Sachen, die sich im Gebäude befinden, fallen nicht unter den Schutz der Wohngebäudeversicherung. Sie gehören somit also nicht zur versicherten Sache.
Ziel der Wohngebäudeversicherung ist in erster Linie, nach Eintritt eines Schadensereignisses die Kosten für eine Sanierung oder gegebenenfalls für einen Neuaufbau des Wohngebäudes zu decken. Des Weiteren bietet sie dem Hauseigentümer auch die Möglichkeit, sich gegen aus dem Schaden entstehende weitere Kosten abzusichern und auch diese somit zu decken.Wie bereits erwähnt, deckt de Wohngebäudeversicherung die häufigsten Schadensursachen im Basispaket an. Für Hauseigentümer, die ihre Wohngebäude in Regionen stehen haben, in denen es häufiger zu anderen Naturereignissen kommen kann, besteht die Möglichkeit, die Versicherung um eine erweiterte oder kombinierte Elementarschaden Versicherung zu erweitern. In dieser Erweiterung des Versicherungsschutzes können dann unter anderem auch Schäden abgedeckt werden, die aufgrund von Überschwemmungen, Lawinen oder auch Erdbeben entstanden sind.

Auf welche rechtliche Grundlagen stützt sich die Wohngebäudeversicherung?

Aufgrund der Tatsache, dass eine Wohngebäudeversicherung im beiderseitigen Einvernehmen abgeschlossen wird, gehört die Versicherungspolice rein rechtlich zu der Form der Verträge (Versicherungsvertrag). Aus diesem Grund ist die Wohngebäudeversicherung so wie jede andere Vertragsform zwischen einem gewerblichen Anbieter, dem Versicherer, und einer privaten Person, dem Versicherungsnehmer sowohl im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) als auch im Handelsgesetzbuch (HGB) begründet. Des Weiteren finden sich gesetzliche Regelungen hierzu im Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Da der Versicherungsnehmer sich verpflichtet, das von der Versicherung abgegebene Angebot gegen Zahlung einer vereinbarten Summe anzunehmen und sich die Versicherung sich im Gegenzug verpflichtet, bei einem Schadenseintritt, der in ihrem Angebot enthalten ist, eine Versicherungsprämie zu zahlen, werden diese beiden übereinstimmenden Willenserklärungen zu einem Vertrag. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Versicherers werden dabei Vertragsbestandteil

Wie sehen die Vertragsbedingungen bei der Wohngebäudeversicherung aus?

Die meisten Versicherer nehmen ihre eigenen allgemeinen Geschäftsbedingungen als Vertragsbestandteil der Police auf. Des Weiteren werden in der Regel zumeist auch spezielle Klauseln in den jeweiligen Vertrag mit aufgenommen. Diese dienen in erster Linie dazu, dem Versicherer die Möglichkeit einzuräumen, unter gewissen Bedingungen von der Pflicht zur Leistungserbringung und somit von der Kostendeckung des Schadens zurück zu treten. Diese Punkte sind normalerweise die grobe Fahrlässigkeit sowie das vorsätzliche Handeln aufgrund dessen der Schaden überhaupt eingetreten ist. Weitere Beispiele sind etwa regionale Gegebenheiten, so dass der Versicherer manche Risiken von vornherein ausschließt bzw. nicht in die Deckung mit aufnimmt.

Weitere Bestandteile des Versicherungsvertrages sind beispielsweise individuelle Vereinbarungen, die jeder Versicherungsnehmer mit seinem Versicherer aushandeln kann sowie die weiteren besonderen Bedingungen für weitere Elementarrisiken in der Wohngebäudeversicherung. Diese tragen das Kürzel BEW oder BBEW im jeweiligen Versicherungsvertrag. Allerdings bleibt hier in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die einzelnen Angebote der unterschiedlichen Anbieter nur schwer miteinander verglichen werden können. Das liegt vor allem daran, dass jede Versicherung ihre eigenen Vertragsbedingungen seit 1994 wegen des EU-Wettbewerbs-Rechts selber frei gestalten kann. Das bedeutet also für den Hauseigentümer, dass er nur die für ihn wichtigsten Aspekte bzw. das Grundpaket der einzelnen Versicherungen vergleichen kann, um sich so einen ersten Eindruck zu verschaffen. Hier muss dann jeder für sich entscheiden, welches Angebot das beste auf ihn zugeschnittene und somit passendste ist.

Im Laufe der Jahre wurden die grundsätzlichen Allgemeinen Wohngebäudeversicherungsbedingungen immer wieder angepasst. Im Folgenden ist eine chronologische Aufzeichnung zu sehen, wie sich die Bedingungen innerhalb der letzten Jahrzehnte entwickelt haben. Besonders auffällig dabei ist, dass sich die Bedingungen allein im jetzigen Jahrtausend schon zwei Mal geändert haben, während sie sich davor in knapp 40 Jahren ebenfalls nur zwei Mal geändert haben.

 

Was beinhaltet die Versicherung?

Für die Allgemeine Wohngebäudeversicherung hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft Musterbedingungen geschaffen, in denen einige Begriffe hinlänglich definiert worden sind. Allerdings sind die Versicherungsunternehmen an sich nicht daran gebunden, diese Musterbedingungen zwingend zu nutzen. Sie können vielmehr ihr eigenes Vertragswerk gestalten. Wenn dem so ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich der Vertrag zumindest in einigen wesentlichen Passagen und speziellen Definitionen an dem Musterbeispiel des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft orientiert.

Was versteht man unter versicherte Sachen?

Im Bereich der Wohngebäudeversicherung bezeichnet die versicherte Sache das in dem jeweiligen Versicherungsschein bzw. im Versicherungsvertrag eindeutig bestimmte Wohngebäude. Die eindeutige Bestimmung richtet sich dabei unter anderem nach der Adresse. Zudem fällt unter diesen Begriff das sogenannte Gebäudezubehör. Hierzu zählen beispielsweise Terrassen, Balkone, Briefkästen und Klingelanlagen aber auch Mülltonnen. Des Weiteren gehört sonstiges Gebäudezubehör wie etwa Gartenhäuser, Carports oder auch Hundehütten zur versicherten Sache, wenn diese im Vertrag ausdrücklich vereinbart sind. Aber auch Einbaumöbel können unter den Schutz der Wohngebäudeversicherung fallen. Voraussetzung hierfür ist, dass diese speziell für das Gebäude angefertigt worden sind wie beispielsweise eine Einbauküche oder Einbauschränke. Ein weiterer Punkt, der durch die Wohngebäudeversicherung versichert ist, sind Zubehörteile, die nicht dem klassischen Gebäudezubehör zuzuordnen sind. Diese Sachen müssen sich im Gebäude befinden oder am Gebäude befestigt sein und entweder der Instandhaltung oder Wohnzwecken dienen. als Beispiel sind hier Klimaanlagen, Photovoltaikanlagen oder Solaranlagen zu nennen. Alle anderen Dinge wie etwa Abwasserleitungen, die außerhalb des bestimmten Grundstücks liegen, werden nur versichert, wenn dies im Vertragswerk gesondert vereinbart worden ist.

Was ist nicht versichert?

Nicht versichert sind Dinge, die beispielsweise ein Mieter auf seine eigenen Kosten in die versicherte Sache eingebracht hat und für die er somit allein die Verantwortung trägt. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Markise auf dem Balkon oder an Fenstern.

 

Welche Versicherungen im Einzelnen Bestandteil der Wohngebäudeversicherung sein können

In der verbundenen Wohngebäudeversicherung werden drei verschieden Versicherungen in einem Vertrag zusammengefasst. Diese Versicherungen sind die Feuer- und Leitungswasserversicherung sowie die Sturm- und Hagelversicherung. Dabei kann jeder Versicherungsnehmer entscheiden, welchen Baustein dieser drei Arten er gerne in seiner Wohngebäudeversicherung abgebildet haben möchte. Entweder einzeln oder in beliebiger Kombination zueinander. Jede einzelne Versicherung für sich hat eindeutig bestimmte Gefahren, die dem Gebäude und weiteren versicherten Sachen drohen und diese dann mit abdecken.

 

Was ist die Versicherte Gefahr?

Hier folgt nun die genaue Definition zu dem Begriff der versicherten Gefahr der einzelnen Versicherungen gemäß der Musterbedingungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft:

Feuerversicherung

In der Feuerversicherung werden Schäden versichert, die aus einem Brand, einem Blitzschlag, einer Explosion oder Implosion entstehen.

Unter Brand wird ein Feuer verstanden, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und das sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag.

Unter einem Blitzschlag versteht man das Auftreffen eines Blitzes auf Sachen. Die daraus entstandenen Kurzschluss- und Überspannungsschäden an elektrischen Einrichtungen, sind versichert.

Eine Explosion ist eine plötzliche Kraftäußerung durch Ausdehnung von Gasen oder Dämpfen.

Eine Implosion ist eine plötzliche Zerstörung eines Hohlkörpers durch äußeren Überdruck infolge eines inneren Unterdruckes

In der Feuerversicherung ist das Wohngebäude gegen folgende Schadensursachen versichert:

  • Brand
  • Blitzschlag
  • Explosion
  • Implosion und
  • Aufprall eines Luftfahrzeuges, seiner Teile oder seiner Ladung

Schäden durch Brand sind jedoch nur dann versichert, wenn es sich um ein Feuer handelt, welches zu einer offen erkennbaren Flamme geführt hat. Des Weiteren sind Brandschäden an beispielsweise Kaminen nicht versichert, wenn das Feuer den Kamin nicht verlassen hat. Weitere Schäden, die durch die Feuerversicherung versichert werden, sind Überspannungsschäden durch Blitz, Brandschäden durch Nutzwärme und der Fahrzeuganprall

 

Leitungswasserversicherung

In der Leitungswasserversicherung werden Schäden abgedeckt, die durch Leitungswasser, Frost- oder sonstige Bruchschäden entstehen können.

Leitungswasser ist Wasser, das aus bestimmten Quellen bestimmungswidrig ausgetreten ist.

Frost- und sonstige Bruchschäden sind in den Musterbestimmungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft nicht eindeutig bestimmt. Bei dieser Art von Schaden ist in der Regel immer eine Einzelfallprüfung und -entscheidung herbeizuführen.

In der Leitungswasserversicherung wird unterschieden zwischen Leitungswasserschäden, hierunter fallen etwa die klassischen Leitungswasserschäden sowie Schäden an Regenwasserrohren sofern sie unter die innerhalb des Gebäudes – Klausel fallen, und den Frost- und sonstige Bruchschäden.

Diese sind:

  • Erweiterte Versicherung von Wasserzuleitungs- und Heizungsrohren auf dem Versicherungsgrundstück, die nicht der Versorgung versicherter Gebäude oder Anlagen dienen
  • Erweiterte Versicherung von Wasserzuleitungs- und Heizungsrohren außerhalb des Versicherungsgrundstücks
  • Erweiterte Versicherung von Ableitungsrohren auf dem Versicherungsgrundstück

Erweiterte Versicherung von Ableitungsrohren außerhalb des Versicherungsgrundstücks

 

Sturmversicherung

Die Sturmversicherung kommt für Schäden auf, die durch Sturm oder Hagel verursacht worden sind.

Sturm ist eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8 , dies entspricht einer Windgeschwindigkeit von mind. 63 km/h.

Hagel wird in den Musterbedingungen nicht hinreichend und eindeutig definiert. Allerdings ist die Gefahr Hagel unabhängig vom Ausmaß (z. B. Korngröße) uneingeschränkt versichert.

In der Sturmversicherung werden Sturmschäden versichert, die durch Windbewegungen ab Windstärke 8 sowie Hagelschäden entstanden sind. Dabei ist jedoch anzumerken, dass ein Sturm meteorologisch gesehen erst ab Windstärke 9 beginnt. Ob es sich bei dem jeweiligen Schaden um einen Sturmschaden handeln könnte, wird aufgrund der aufgezeichneten Daten einer in der Nähe gelegenen Wetterstation oder durch ähnliche Schäden an nachbarschaftlichen Gebäuden ermittelt. Ähnlich wird festgestellt, ob es sich bei dem Schaden um einen Hagelschaden handeln könnte.

 

Welche Kosten sind in der Wohngebäudeversicherung versichert?

Die Wohngebäudeversicherung übernimmt die Kosten, die aufgrund eines versicherten Schadens entstanden sind. Hierunter fallen:

  • Schadenminderungskosten
  • Aufräumungs- und Abbruchkosten, Bewegungs- und Schutzkosten
  • Mietausfall
  • Dekontaminationskosten
  • Mehrkosten infolge behördlicher Wiederherstellungsbeschränkungen für Restwerte
  • Gebäudebeschädigungen durch unbefugte Dritte
  • Aufwendungen für die Beseitigung umgestürzter Bäume
  • Wasserverlust
  • Sachverständigenkosten: Sollte es bei der Regulierung des Schadens zu Streitigkeiten in Bezug auf die zu regulierende Summe bzw. die Versicherungshöhe kommen, so kann von beiden Seiten das sogenannte Sachverständigenverfahren eingeleitet werden. Hierbei entstehen Kosten für den eigenen Sachverständigen und den Vermittler. Sollte diese Klausel Bestandteil des Vertrages sein, so werden die hier anfallenden Kosten ebenfalls von der Wohngebäudeversicherung getragen.
  • Graffitischäden

 

Wie berechnet sich die Versicherungsprämie?

Die Prämienberechnung orientiert sich an zwei Werten. Zum einen an die Versicherungssumme im Jahr 1914 und zum Anderen nach der Wohnfläche.

 

Marktsituation aktuell in Deutschland

In Deutschland gab es zum Ende des Jahres 2012 ca. 19 Millionen Wohngebäudeversicherungsverträge. Der größte Anbieter hatte zu diesem Zeitpunkt einen Bestand von knapp 2,6 Millionen Verträge. 2/3 der Verträge wurden von den zehn größten Unternehmen betreut. Dies entspricht einem Marktanteil von 62 %.

Hier ist jedoch zu beachten, dass ein recht hoher Anteil auf die öffentlich-rechtlichen Versicherer entfällt. Das ist darauf zurück zu führen, dass diese Unternehmen die Versicherungen beiläufig zu ihrem Hauptaufgabenbereich, der Baufinanzierung, vertreiben.